Journalistin & Texterin

Wird irgendwo der Rotstift angesetzt, dann wittern wir oftmals eine Chance - auf ein echtes Schnäppchen, auf einen satten Preisnachlass oder auf mehr Aufträge durch das Gewähren von Rabatten. All das ist in bestimmten Fällen durchaus möglich, aber nicht die Regel und sollte es vor allem nicht im Business sein. Gerade als Kreative sollten wir darauf achten, nicht grund- und vorbehaltlos Leistungen zu verschenken oder zu reduzieren. Das gilt im Grunde natürlich für alle Branchen. Aber insbesondere in meinem Feld fällt es mir immer wieder besonders auf. Und da ohnehin viele von außen die Prozesse und einzelnen Bausteine, die zu einer qualifizierten Texterstellung - dazu ein anderes Mal ausführlich mehr - gehören, nicht per se auf dem Schirm haben, sollte man umsichtig damit sein, was man an Nachlässen gewährt. "Aber wenn ich nicht von vornherein einen Rabatt einräume, dann bekomme ich den Job nicht!" Das und ähnliches höre ich immer wieder. Aber einmal kritisch hinterfragt, ist dem wirklich so? Ich denke nicht.​

Die Mär vom Freundschaftsdienst

Ein Kunde, der schon im ersten Gespräch nur auf das Feilschen und den niedrigsten Preis aus ist, dem geht es unter Umständen gar nicht darum, wie ihm eine Dienstleistung in seinem Business tatäschlich weiterhelfen kann (Positionierung, Kommunikation, Leads) - er möchte vielmehr sein Belohnungszentrum aktivieren, sich auf die Schulter klopfen, "was rausgeschlagen" zu haben. Natürlich wollen wir uns auch belohnen. Für einen neuen Auftrag, eine spannende Aufgabe, einen glücklichen Kunden. Aber deswegen sofort mit dem Preis runtergehen? Ich sage, nein. Schon gar nicht bei einem Erstkunden - und möge er noch so viele Folgeaufträge in Aussicht stellen. Denn auch damit wird gerne geworben.  Aber, folgen die wirklich? Und rechnen sich die dann? Lassen wir uns nicht blenden, sondern kritisch auf den Wert einer Dienstleistung schauen. Ich habe vor Jahren in einem Seminar zum erfolgreichen Verhandeln von einem erfahrenen Coach einen Satz mit auf den Weg bekommen, der mich immer noch beschäftigt und den man durchaus länger wirken lassen muss. "Wenn Du mein Freund bist, dann zahl doch gerne mehr!" Absurd? Nein. Der Satz offenbart einen ganz tiefen Kern der Schnäppchenmentalität - die auch vor Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern nicht Halt macht. "Kannst Du nicht mal eben das neu schreiben?", "Liest Du das mal und schreibst es mir um, Dir fällt das doch leicht" und so weiter. Ja, klar, aber automatisch umsonst oder absolut reduziert? Früher hätte ich sofort "Ja, klar" gesagt, heute nicht mehr. Besagtes Seminar hat mich überzeugend senisbilisiert. Gerade die, die uns schon und /oder gut kennen, besonders die sollten unsere Leistungen schätzen und adäquat zahlen. Insbesondere, wenn sie uns und unsere Selbstständigkeit stützen wollen.

Lehren von der Fleischertheke

Manchmal hilft auch der Gang zum Fleischer des Vertrauens, an die gut sortierte Käsetheke oder auf den Markt zum Lieblingsobststand. Da kann man sich abschauen, wie Rabatte erfolgreich und charmant verkauft werden. Das berühmte "Darf's eine Scheibe mehr sein?" wird hier sicherlich in 9 von 10 Fällen mit einem "Sehr gern" quittiert. Jetzt will aber nicht jeder mehr bekommen, sondern schlichtweg weniger zahlen, magst Du denken. Um beim Metzger zu bleiben: Warum kommen die Kunden zurück? Weil sie trotz 50g mehr an Edelsalami und einem durchaus höheren Preis dennoch sparen. Sie investieren in Qualität, in Vertrauen, in Handwerk. Und weil ihnen das Gesamtpaket schmeckt, greifen sie zu. Am Ende rentiert sich das, weil es die Suche nach qualifizierten Dienstleistern, teures Überarbeiten, Zeit & Nerven spart. Da gibt der Metzger dann auch bereitweillig eine Scheibe Mortadella oder ein Würstchen aus. Und so ähnlich sehe ich es für meine Branche. Ja, ich gewähre auch Rabatte, aber in versteckter Form - was man durchaus offensiver kommunizieren kann, wenn man will. Ist bei einem Kunden ein Stundenhonorar Basis eines Auftrages und ich habe beispielsweise 4,25 Stunden gebraucht, dann runde ich zu Gunsten des Kunden auf vier Stunden ab. Ich stelle keine Fahrtkosten in Rechnung, wenn es um Kundentermine innerhalb eines Radius von 100km geht. Ich kümmere mich zusätzlich um kurze (!) Bildrecherchen o.ä., ohne das extra zu berechnen. 

Geben fühlt sich besser an als nehmen. 

TAGS: Rabatt, Rabatte, Wert

 

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Gesternabend war es wieder einmal soweit. Ein kurzer Blick in das Forum einer Textergruppe und schlagartig schnellte der Blutdruck hoch, wobei der generell wirklich ein solides Optimalmaß von 120/80 aufweist. Eine junge Kollegin fragte nach, wie sie sich denn zu den gebotenen knapp 3 Cent/Wort auf einer Textplattform verhalten sollte. Ich hätte natürlich nur mit den Augen rollen und die Schultern ein erneutes Mal hochziehen können. "Not my circus, not my monkey", heißt es so schön. Und doch trifft es uns alle, die vom Schreiben leben, wenn solchen unmoralischen Angeboten immer wieder Nährboden gegeben wird. Dies ist ein kleiner Appell, doch endlich etwas mehr Edelfeder zu sein! Auf die Frage "Darf's etwas mehr sein?", einfach mal aus vollem Halse "Ja!" rufen, statt immer nur nach Einsparungen zu suchen bis man sich als Texter derart selbstoptimiert hat, dass einem "Angebote" von 3 Cent/Wort gerade noch hoch genug vorkommen. 

Höchste Zeit für die kollektive Notbremse

Diese Plattformen mit ihrem modernen Skalventum sind die Pest einer ganzen Branche. Jeder, der halbwegs rechnen kann (und auch als kreativer Freiberufler sollte das zur Grundausstattung gehören!), der weiß, dass zu solch absurden Preisen niemand arbeiten kann. Qualitativ und neudeutsch "unique" schon gar nicht. "Heutzutage kennen die Menschen von allem den Preis, aber nicht den Wert." Dieses Zitat des Schriftstellers Oscar Wilde könnte kaum aktueller sein. Zu diesem Spiel gehören natürlich immer zwei - die, die ausbeuten und die, die sich ausbeuten lassen. Einziger Profiteur: Der Betreiber einer solchen Auftragsplattform. Hier werden Werte vollkommen verzerrt. Sowohl, was die Arbeit als Texter betrifft, als auch den Wert eines Textes für ein Unternehmen. Immer wieder höre ich in Gesprächen mit Kollegen, die sich hoffnungsvoll mit einem Fuß in der Tür zum festen Kundenstamm wähnen, wenn sie sich auf diesen Plattformen die finanzielle Blöße geben, eine lange Liste von vermeintlichen "Ja, aber"-Argumenten. Ein schöner Selbstbetrug. Warum sollte jemand mehr bezahlen, wenn er eine Dienstleistung fast geschenkt bekommt? Da kann man die Kunden fast verstehen, die hoffen wir mal zum Großteil nur wider des Wissens auf diesen Plattformen inserieren und nicht aus reiner Geizmentalität. Ja, ich glaube noch an den Wert einer Arbeit und schon allein deshalb ist es unerträglich, dass zu viele Texter (leider ist das ein ungeschützter Begriff) Know-how und Handwerk mit Füßen treten. Und diejenigen, die dann immer mit dem "Argument", es sei ein Zuverdienst, ein Hobby, ein Zeitvertreib für gelangweilte Rentner und Hausfrauen - dem sei gesagt: Im Sinne all derer, die tatsächlich davon leben, macht den Wert einer Dienstleistung nicht kaputt. Mein kleiner Traum eines branchenimmanenten Verständnisses. 

Billig, billig, billig

Am Ende kommt es meist teurer. Denn billig ist noch lange nicht gut. Mal abgesehen davon, dass zum Texten viel mehr gehört, als Worte zu schinden. Konzeption, Wording, Recherche, Redigieren, Lektorieren, Korrigieren und und und. Und all das soll es für Centbeträge geben? Einfach mal laut aussprechen, dann hört man schnell, wie lächerlich das Ganze klingt. Warum machen sich insbesondere die Kreativen so schnell zum Dummkopf? Ja, das ist eine provokante Frage. Geld verdienen mit seinem Können ist alles andere als anrüchig. Was? Das macht auch noch Spaß? Wäre ja schlimm, wenn nicht! Aber auch das ist noch lange kein Grund, unterhalb jeden Minimums zu arbeiten. Da tatsächlich immer noch Vergleiche mit dem Handwerk fruchten - welche Maurer werden nach der Anzahl der verbrauchten Klinker, welche Tischler nach der der genutzten Schrauben bezahlt? Eben.

Wertschätzung hat durchaus auch etwas mit dem Preis zu tun - und fängt zuallererst bei uns selber an.

TAGGS: Wert, Wertschätzung, Text, Content, Preis, Honorar

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Ich hab lange gezögert, Bloggs gibt es schließlich wie Sand am Meer. Soll ich also auch noch bloggen? Je mehr ich darüber nachdachte, desto deutlicher und lauter wurde das "Ja" für diesen Schritt. Denn, was mir seit Jahren sauer aufstößt, braucht ein Ventil. Es gibt viele gute Bloggs von schreibenden Kollegen und ich will hier weder das 1x1 des Schreibens, noch "How to..."-Texte veröffentlichen. Seitdem ich vor wenigen Tagen einmal mehr über die despektierliche Bezeichnung "Schreiberling" bei einer Job-Ausschreibung gestoßen war, da platzte nicht nur erneut der innerliche Kragen. Auch mein zentrales, essentielles Blogthema brach sich den Weg - erst im Kopf, nun im Netz. In diesem Blog soll es um Wert & Wertschätzung kreativer Arbeit gehen. Zum Auftakt entzaubere ich einen vermeintlichen Euphemismus und erläutere, warum Schreiberling alles andere als ein Kompliment ist. 

Alles, nur nicht niedlich

Ganz im Gegenteil. Der Begriff ist abwertend. Geringschätzig. Kleinmachend. Wer ihn benutzt, sei es auf Seiten des Journalisten/Texters oder auf Seiten eines Kunden, der spiegelt darin auch eine Haltung wieder. Kann man wirklich mit jemandem ein Gespräch auf Augenhöhe führen, der auf der Suche nach einem "Schreiberling" ist? Nein! Auf Kundenseite hat derjenige nicht nur ein Händchen für eine schlechte Wortwahl (und braucht deshalb eigentlich unbedingt einen versierten Texter und keinen Schreiberling an seiner Seite!), sondern auch wenig (Sach)Verstand von der Leistung eines Texters. Als Schreibender bleibt man so der devote Bittsteller. Warum? Da ist dringend Nachhilfe über die Funktionen kreativer Dienstleistungen angebracht (dazu ein anderes Mal).

Bestenfalls ist es humoristisch gemeint - aber Humor ist bekanntlich nicht immer, wenn man lacht. Und ganz im Ernst, jeder, der ernsthaft ein Geschäft betreibt, der will keinen Schreiberling; der will einen Texter, der ihn und die Zielgruppe versteht. Der Inhalt (neudeutsch: Content) kreieren kann, der letztlich Geschäft und Leads realisiert, der positioniert, der herauskitzelt, wie man sich abhebt. Das ist eine Dienstleistung, die auf einem Handwerk beruht, das von Schreiberling so weit entfernt ist wie die Pole voneinander. 

Übrigens, auch Google mag echte Inhalte

Der Begriff Schreiberling ist nicht charmant - und ärgert immens (mich zumindest). Er mimiert eine ernsthafte Dienstleistung auf das Schinden von Zeilen oder Aneinanderkloppen von Buchstaben. All das macht aber noch lange keinen guten Text(er) aus. Das hat auch Google längst erkannt und straft das Geheische um Schlagwörter ab. Das ist gut und richtig so. Ein Text lebt nicht von der Fülle der eingesetzten Keywords - sondern deren richtiger Positionierung. 

Auf Du und Du mit dem Duden

Letztlich reicht auch der simple Blick ins Wörterbuch, um zu verstehen, dass Schreiberling keine adäquate Berufsbezeichnung eines professionellen Schreibers ist. Aber das ist das Dilemma, wenn man in einem kreativen Bereich arbeitet, für den es keinen Schutz gibt. Schreiben kann schließlich jeder, der das ABC beherrscht - so die fälschliche Annahme. Schreibling steht für "schlechten Journalisten und Autor" oder "Autor, der schlecht (und viel) schreibt" (siehe Duden). Und wer möchte das schon sein oder so jemanden seine (Unternehmens)Geschichten erzählen lassen? 

Wertschätzung & Wortwahl beginnt bei jedem selber. Wir sind alles, aber keine Schreiberlinge. Also, bitte etwas mehr Rückgrat und Sprachgefühl. 

 

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