Journalistin & Texterin

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Ju
Vom Selbstwert oder warum ich aus einer Textergruppe flog
11.07.2018 10:31

 

Gestern geschah etwas vollkommen Unerwartetes. Ich rieb mir mehrfach ungläubig die Augen und versuchte erfolglos, auf einen Kommentar zu antworten. Stattdessen bekam ich eine Information, dass ich kein Mitglied dieser Gruppe sei. Mir dämmerte es und ich war doch kurzzeitig fassungslos. Ohne jeglichen Hinweis war ich aus einer FB-Gruppe entfernt worden, in der sich Texter austauschen. Ich liebe netzwerken, ich liebe Austausch, ich kämpfe für den Wert der Dienstleistung eines Texters und für faire Honorare. Und ich liebe dafür das Internet mit seinen virtuellen Möglichkeiten. Ich hab gern das Ohr am Puls der Zeit, höre, was die Branche umtreibt. 

Was war also passiert? Es gab eine Diskussion zu Texterbörsen. Das sind diese Plattformen wie Textbroker oder Content.de und ähnliche, auf denen moderenes Sklaventum betrieben wird, Worte nichts wert sind und die Arbeit des Texters noch viel weniger. Und dieser über keinerlei Selbstwert verfügt, wenn er tatäschlich "qualifizierte Arbeit" für einstellige Centbeträge abliefert. Ich könnte natürlich denken, "not my circus, not my monkey", aber es schadet dem Beruf, wenn es gang und gäbe wird, Hauptsache billig Textarbeiten einzukaufen und im Falle des Texters zu verkaufen. Die "Kollegen", die dort schreiben, reden sich die Arbeit schön und finden viele Ausflüchte, warum sie dort Aufträge annehmen, obwohl sie wissen, dass sie davon weder leben können, noch das es ihnen hilft, ernsthaft ein Unternehmen als Freiberufler aufzubauen und den (Mehr)Wert von Texten zu verdeutlichen. "Ich studiere noch", "ich mach das nur nebenbei", "wie soll ich denn sonst Kunden finden" und so weiter. Die Liste ist sicherlich ebenso lang wie die vermeintlichen Gründe, über die man sich in eine Haltung bugsiert, die weder etwas mit Selbstwert, noch dem Wert der eigenen Leistung zu tun hat. Billig ist selten gut und wer ernsthaft mit Text arbeitet - sei es der Texter selber oder die Unternehmen, die die Leistung einkaufen, die wissen das.  

Wer selbstständig ist, der muss rechnen können. Und damit ist nicht schönrechnen gemeint. Genau das habe ich erneut angemahnt. 

Es sind viele Berufsanfänger und Quereinsteiger in dieser Gruppe und es kommen immer wieder haarsträubende Fragen, die offenbaren, das diejenigen sich überhaupt nicht mit dem Berufsbild auseinandergesetzt  haben, kaum eine Vorstellung haben, dass Schreiben ein Handwerk und nicht Buchstaben nach SEO-Vorgaben kloppen ist, keine Ahnung von üblichen Honoraren haben, nicht einmal die Branchenverbände kennen. Da kann man die Hände über den Kopf zusammenschlagen - aber nicht immer stumm auf den Fingern sitzen bleiben. Sachliche Einwürfe einer Handvoll langjähriger Profis werden als "aggressiv, frustriert und belehrend" betitelt, wie ich nach dem Rauswurf erfuhr. Das ist ebenso unfassbar wie schade. 

So bilden sich Blasen, in denen man sich gemütlich einrichten kann. Sie helfen aber nicht. Der Sinn eines professionellen Texters kann nicht sein, unterhalb prekärer Verhältnisse zu leben und nicht das Einmaleins des Berufes zu beherrschen. Es ist wirklich besorgniserregend, was sich in dieser Branche tut. Ohne jeden (Selbst)Wert bleibt das Jammern letztlich hoch. 

My 2 Cents zu diesem doch bezeichnenden Rauswurf. 

 

 

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