Journalistin & Texterin

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Ap
Warum Schreiberling kein Kompliment ist
04.04.2018 14:00

Ich hab lange gezögert, Bloggs gibt es schließlich wie Sand am Meer. Soll ich also auch noch bloggen? Je mehr ich darüber nachdachte, desto deutlicher und lauter wurde das "Ja" für diesen Schritt. Denn, was mir seit Jahren sauer aufstößt, braucht ein Ventil. Es gibt viele gute Bloggs von schreibenden Kollegen und ich will hier weder das 1x1 des Schreibens, noch "How to..."-Texte veröffentlichen. Seitdem ich vor wenigen Tagen einmal mehr über die despektierliche Bezeichnung "Schreiberling" bei einer Job-Ausschreibung gestoßen war, da platzte nicht nur erneut der innerliche Kragen. Auch mein zentrales, essentielles Blogthema brach sich den Weg - erst im Kopf, nun im Netz. In diesem Blog soll es um Wert & Wertschätzung kreativer Arbeit gehen. Zum Auftakt entzaubere ich einen vermeintlichen Euphemismus und erläutere, warum Schreiberling alles andere als ein Kompliment ist. 

Alles, nur nicht niedlich

Ganz im Gegenteil. Der Begriff ist abwertend. Geringschätzig. Kleinmachend. Wer ihn benutzt, sei es auf Seiten des Journalisten/Texters oder auf Seiten eines Kunden, der spiegelt darin auch eine Haltung wieder. Kann man wirklich mit jemandem ein Gespräch auf Augenhöhe führen, der auf der Suche nach einem "Schreiberling" ist? Nein! Auf Kundenseite hat derjenige nicht nur ein Händchen für eine schlechte Wortwahl (und braucht deshalb eigentlich unbedingt einen versierten Texter und keinen Schreiberling an seiner Seite!), sondern auch wenig (Sach)Verstand von der Leistung eines Texters. Als Schreibender bleibt man so der devote Bittsteller. Warum? Da ist dringend Nachhilfe über die Funktionen kreativer Dienstleistungen angebracht (dazu ein anderes Mal).

Bestenfalls ist es humoristisch gemeint - aber Humor ist bekanntlich nicht immer, wenn man lacht. Und ganz im Ernst, jeder, der ernsthaft ein Geschäft betreibt, der will keinen Schreiberling; der will einen Texter, der ihn und die Zielgruppe versteht. Der Inhalt (neudeutsch: Content) kreieren kann, der letztlich Geschäft und Leads realisiert, der positioniert, der herauskitzelt, wie man sich abhebt. Das ist eine Dienstleistung, die auf einem Handwerk beruht, das von Schreiberling so weit entfernt ist wie die Pole voneinander. 

Übrigens, auch Google mag echte Inhalte

Der Begriff Schreiberling ist nicht charmant - und ärgert immens (mich zumindest). Er mimiert eine ernsthafte Dienstleistung auf das Schinden von Zeilen oder Aneinanderkloppen von Buchstaben. All das macht aber noch lange keinen guten Text(er) aus. Das hat auch Google längst erkannt und straft das Geheische um Schlagwörter ab. Das ist gut und richtig so. Ein Text lebt nicht von der Fülle der eingesetzten Keywords - sondern deren richtiger Positionierung. 

Auf Du und Du mit dem Duden

Letztlich reicht auch der simple Blick ins Wörterbuch, um zu verstehen, dass Schreiberling keine adäquate Berufsbezeichnung eines professionellen Schreibers ist. Aber das ist das Dilemma, wenn man in einem kreativen Bereich arbeitet, für den es keinen Schutz gibt. Schreiben kann schließlich jeder, der das ABC beherrscht - so die fälschliche Annahme. Schreibling steht für "schlechten Journalisten und Autor" oder "Autor, der schlecht (und viel) schreibt" (siehe Duden). Und wer möchte das schon sein oder so jemanden seine (Unternehmens)Geschichten erzählen lassen? 

Wertschätzung & Wortwahl beginnt bei jedem selber. Wir sind alles, aber keine Schreiberlinge. Also, bitte etwas mehr Rückgrat und Sprachgefühl. 

 

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