Journalistin & Texterin

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Ap
Wertschätzung für 3 Cent? Wohl kaum.
11.04.2018 13:05

Gesternabend war es wieder einmal soweit. Ein kurzer Blick in das Forum einer Textergruppe und schlagartig schnellte der Blutdruck hoch, wobei der generell wirklich ein solides Optimalmaß von 120/80 aufweist. Eine junge Kollegin fragte nach, wie sie sich denn zu den gebotenen knapp 3 Cent/Wort auf einer Textplattform verhalten sollte. Ich hätte natürlich nur mit den Augen rollen und die Schultern ein erneutes Mal hochziehen können. "Not my circus, not my monkey", heißt es so schön. Und doch trifft es uns alle, die vom Schreiben leben, wenn solchen unmoralischen Angeboten immer wieder Nährboden gegeben wird. Dies ist ein kleiner Appell, doch endlich etwas mehr Edelfeder zu sein! Auf die Frage "Darf's etwas mehr sein?", einfach mal aus vollem Halse "Ja!" rufen, statt immer nur nach Einsparungen zu suchen bis man sich als Texter derart selbstoptimiert hat, dass einem "Angebote" von 3 Cent/Wort gerade noch hoch genug vorkommen. 

Höchste Zeit für die kollektive Notbremse

Diese Plattformen mit ihrem modernen Skalventum sind die Pest einer ganzen Branche. Jeder, der halbwegs rechnen kann (und auch als kreativer Freiberufler sollte das zur Grundausstattung gehören!), der weiß, dass zu solch absurden Preisen niemand arbeiten kann. Qualitativ und neudeutsch "unique" schon gar nicht. "Heutzutage kennen die Menschen von allem den Preis, aber nicht den Wert." Dieses Zitat des Schriftstellers Oscar Wilde könnte kaum aktueller sein. Zu diesem Spiel gehören natürlich immer zwei - die, die ausbeuten und die, die sich ausbeuten lassen. Einziger Profiteur: Der Betreiber einer solchen Auftragsplattform. Hier werden Werte vollkommen verzerrt. Sowohl, was die Arbeit als Texter betrifft, als auch den Wert eines Textes für ein Unternehmen. Immer wieder höre ich in Gesprächen mit Kollegen, die sich hoffnungsvoll mit einem Fuß in der Tür zum festen Kundenstamm wähnen, wenn sie sich auf diesen Plattformen die finanzielle Blöße geben, eine lange Liste von vermeintlichen "Ja, aber"-Argumenten. Ein schöner Selbstbetrug. Warum sollte jemand mehr bezahlen, wenn er eine Dienstleistung fast geschenkt bekommt? Da kann man die Kunden fast verstehen, die hoffen wir mal zum Großteil nur wider des Wissens auf diesen Plattformen inserieren und nicht aus reiner Geizmentalität. Ja, ich glaube noch an den Wert einer Arbeit und schon allein deshalb ist es unerträglich, dass zu viele Texter (leider ist das ein ungeschützter Begriff) Know-how und Handwerk mit Füßen treten. Und diejenigen, die dann immer mit dem "Argument", es sei ein Zuverdienst, ein Hobby, ein Zeitvertreib für gelangweilte Rentner und Hausfrauen - dem sei gesagt: Im Sinne all derer, die tatsächlich davon leben, macht den Wert einer Dienstleistung nicht kaputt. Mein kleiner Traum eines branchenimmanenten Verständnisses. 

Billig, billig, billig

Am Ende kommt es meist teurer. Denn billig ist noch lange nicht gut. Mal abgesehen davon, dass zum Texten viel mehr gehört, als Worte zu schinden. Konzeption, Wording, Recherche, Redigieren, Lektorieren, Korrigieren und und und. Und all das soll es für Centbeträge geben? Einfach mal laut aussprechen, dann hört man schnell, wie lächerlich das Ganze klingt. Warum machen sich insbesondere die Kreativen so schnell zum Dummkopf? Ja, das ist eine provokante Frage. Geld verdienen mit seinem Können ist alles andere als anrüchig. Was? Das macht auch noch Spaß? Wäre ja schlimm, wenn nicht! Aber auch das ist noch lange kein Grund, unterhalb jeden Minimums zu arbeiten. Da tatsächlich immer noch Vergleiche mit dem Handwerk fruchten - welche Maurer werden nach der Anzahl der verbrauchten Klinker, welche Tischler nach der der genutzten Schrauben bezahlt? Eben.

Wertschätzung hat durchaus auch etwas mit dem Preis zu tun - und fängt zuallererst bei uns selber an.

TAGGS: Wert, Wertschätzung, Text, Content, Preis, Honorar

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